/ Juli 20, 2019

Eine Zeit des Feierns ist Schützenfest mit Sicherheit. Eine Zeit in der schöne Stunden im Kreise der Freunde und Familie verbracht werden sollten. Aber es ist auch eine Zeit des Nachdenkens. Des Bewusst machen und des Trauerns.

Unser Brudermeister hat hierzu am Schützenfest Samstag folgende Rede am Kriegerdenkmal während des Zapfenstreiches gehalten.

„Bitte… Bitte… Bitte lass mich doch nicht allein.“
So beginnt der Appell des Kriegsverwundeten Joseph, Korporal im ersten Weltkrieg, nach den Erinnerungen von Karl Kasser. Dieser bemerkt dazu: „Es kam mir schwer an, ihn zu verlassen, wo doch sein baldiges Ende voraussichtlich war“
und sagte zu ihm: „ Joseph, ich kann Dich jetzt nicht zurückbringen. Die erschießen uns beide. Ich hol Dich später.“
Und er berichtet weiter: „Ich ging weiter, denn so waren ja die Befehle. Da traf mich eine Kugel in die Brust. Ich fiel und fiel und dann wurde alles schwarz vor den Augen.“
Meine Damen und Herren, diese Erinnerungen des Soldaten Karl Kasser deuten uns die Schrecken der Weltkriege an. Wenn wir gleich das Lied vom guten Kameraden hören und an dessen Text denken, dann sehen wir, dass dieses Lied Szenen wie die eben gezeigte genau beschreibt.
Es ist die Geschichte von Männern und Jungen, geschickt um Menschen zu töten, sei es um nicht selbst getötet zu werden, weit weg von zu Haus,
von dem dauerhaften Schock des Krieges der auf ihnen lastet,
von dem innigen Wunsch beseelt zurückzukehren in ein Leben von Frieden und Stabilität.
Die Soldaten, derer wir heute gedenken, sind diejenigen, die zu Opfer wurden in einem Krieg, den sie nicht wollten;
diejenigen, die mit ihrem sinnlosen Tod uns mahnen, den Frieden zu wahren;
diejenigen, die von nationalistischen Regimes in Angriffskriegen als Kanonenfutter verheizt wurden.
Die Situation, die kaum einer von den Anwesenden hier erlebt hat, ja der Krieg überhaupt, das tägliche Bangen ums Leben, scheint uns heute so fern
und darum die Erinnerung daran manchem lästig oder überflüssig.
Aber der Frieden, den wir hier seit 74 Jahren genießen, ist nicht selbstverständlich.
Er ist das Ergebnis vieler Leute Arbeit, in unserem Volk und anderen Völkern. Ohne den unbedingten Willen zum Frieden, zum Beispiel bei Franzosen und Deutschen, die ihre Erbfeindschaft hinter sich ließen, wäre dieses Ziel nicht erreichbar gewesen.
Heute befinden wir uns in einer Zeit, in der nationalistische Parteien in vielen Ländern Erfolge erzielen oder Regierungen stellen, die die Freundschaft der Völker Europas in Frage stellen;
einer Zeit, in der Krieg wieder ein politisches Mittel zu sein scheint, z.B. in der Ostukraine, in Syrien oder womöglich im Iran;
eine Zeit, in der politisch motivierte Morde durch Nationalsozialisten verübt werden und Juden auf offener Straße angefeindet werden.
Manches erinnert an die Zustände vor 1933, von denen wir im Nachhinein sagen, man hätte früher einschreiten müssen.
Darum: Lassen Sie uns einschreiten!
Machen wir klar, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit der europäischen Völker (und Zusammenarbeit darüber hinaus) der Garant ist für den Frieden,
machen wir klar, dass der Nationalismus und Nationalsozialismus beinahe zum Untergang unseres Volkes geführt hätte und Millionen Todesopfer, Verletzte und Heimatvertriebene zur Folge hatte und er deshalb auf deutschem Bode nicht mehr tolerierbar ist;
machen wir klar, dass ein Zurück in Menschenverachtung und Totalitarismus eines bedeutet: die Missachtung derer, die für unseren Frieden und unsere Freiheit in den Kriegen verstorben sind.
Wenn wir unsere Demokratie zerstören und unsere Werte wegwerfen, dann war ihr Opfer umsonst, dann haben wir aus ihrem Leid nichts gelernt. Dass sie ihr Leben hingegeben haben hat nur einen Sinn, nämlich, dass wir daraus lernen und dass wir die in ihm liegende Mahnung empfangen und beherzigen.
Das ist das Opfer, das ist die Ehre, die sie uns erbracht haben. Darum erinnern wir immer wieder an sie, denn es gilt heute wie immer: Ehre, wem Ehre gebührt.